Leo Prothmann: "Leben heißt sich mitteilen"
Leben heißt, sich mitteilen - das ist nur eine andere Umschreibung für Martin Bubers These von der Begegnung. Eine wirkliche Begegnung mit anderen Menschen setzt die Begegnung mit sich selbst voraus: Den mutigen Blick ins eigen Innere; den Wunsch, sich selbst zu "durch-schauen". Das gelingt und geschieht nicht durch bloßes Nachdenken oder Reflektieren: Den eigentlichen "Spiegel" bieten uns immer die anderen. Joachim Bauer, Facharzt für psychotherapeutische Medizin, beschreibt die Funktion der "Spiegelnervenzellen". Im Gesicht und Mienenspiel des anderen Menschen begegnen wir uns selbst. Durch den Blickkontakt kann intimste Beziehung entstehen. In dieser Wechselwirkung liegen auch die Heilungschancen in der therapeutischen Begegnung: Neben der Kunst des Zuhörens geht es um die Ausgewogenheit von Nähe und Distanz, um Empathie und analytischen Takt. Im Therapieraum, einem Zufluchtsort vor der Angst, kann die unbefangene Begegnung erprobt und erlernt werden - denn ist die Angst nicht die Blockade der Liebe? Und die Neurose das Leiden am fehlenden Selbstausdruck? Andererseits ist Angst auch "die große Gebärerin" für neue Perspektiven und Mutationen. Dies ist auch eine Chance für Veränderungen.
| Audio: Leo_Prothmann_Leben_heisst_sich_mitteilen.mp3 46.5 MB | 23. 01. 2011 12:24 Uhr |
Leo Prothmann (A)
Dr. phil., Studium der Philosophie und Theologie in Eichstätt/Bayern; Studium der Psychologie in Salzburg, Ausbildung als Analytiker in Analytischer Psychologie in München, Wien und Zürich; seit 1984 Psychotherapeut / Analytiker in freier Praxis.
